Bericht einer Teilnehmerin über ihren Besuch beim Patenkind

Vielen Dank liebe Kerstin, dass ich Deinen Bericht hier veröffentlichen darf.
Kerstins Patenkind konnte nicht zu unserem Treffen gebracht werden , weil die Entfernung einfach zu weit war. Ich bewundere den Mut, sich allein mit einem von Gebeco organisierten Fahrer auf den Weg (ca. 8 Stunden Fahrt!) in eine ganz andere Region in Kambodscha zu machen um das Kind zu treffen – Chapeau!

Hier der Bericht:

Wie vom Plan Kollegen aus Ratanakiri bei unserem Patentreffen in Seam Reap angekündigt, werde ich von der Plan Kollegin von meinem Hotel in Banlung/Provinz Ratanakiri abgeholt. Es ist noch eine Kollegin dabei zum übersetzen, da in diesen abgelegenen Regionen kein Khmer sondern noch eine andere Sprache gesprochen wird. Hier leben überwiegend ethnische Minderheiten.

Auf dem Weg in die Berge verlassen wir bald die Asphaltstraße und begeben uns auf eine rote Sandpiste, die ich durchaus noch als Straße bezeichnen würde, vergleichbar mit der Buckelpiste in Siem Reap. Der Weg wird immer enger und mündet in etwas, was ich nicht mehr als Straße oder Weg bezeichnen würde. Es ist nur noch eine unbefestigte Sandpiste, die nur mit Jeep und in der Regenzeit gar nicht mehr befahrbar ist.

Nach ca. 1 Stunde halten wir an einem mobilen Kindergarten an. Es ist kein festes Gebäude sondern eine offene Holzkonstruktion. Nur wenige Kinder sind hier, da die meisten Kinder hier nicht in den Kindergarten geschickt werden. Es gibt eine Latrine, das zugehörige Dorf ist weder mit Latrine noch mit Strom ausgestattet. Die Kinder sind viel zurückhaltender als in Siem Reap, hier kommt auch sonst kein Besucher vorbei und die Kinder gehen auch nicht aus ihrem Dorf. Mit Luftballons und Seifenblasen kann ich das Eis brechen und die Kinder fangen an mit mir zu spielen.
Dann besichtigen wir noch einen weiteren Kindergarten, der in ein Schulzentrum mit Grundschule integriert ist. Plan hat hier für Latrine, Klettergerüste und eine Bücherei gesorgt. Auch hier schauen mich die Kinder mit großen Augen an und Luftballons, Seifenblasen und ein paar Bonbons bringen die Kinder in Kontakt mit mir.

Hier treffe ich auch auf Nhors und ihre Eltern und Geschwister. Sie hat mittlerweile 3 jüngere Brüder, die mit bei dem Treffen dabei sind. Der ältere Bruder arbeitet auf einer Farm, was sonst auch alle anderen Familienmitglieder tun. Nhors hat ein Jahr die Schule besucht. Sie muss sich nun um ihre jüngeren Brüder und das Haus kümmern. Zwei Brüder besuchen die Schule.

Ich merke hier ganz klar, wie wichtig es ist, dass sich Plan verstärkt um Mädchen kümmert und vor Ort Überzeugungsarbeit leistet. Denn die Entscheidung, ob ihre Töchter zur Schule dürfen, treffen die Eltern.

Die Familie arbeitet von Montag bis Sonntag ob Regenzeit oder nicht auf einer Farm. Sie ernähren sich vorwiegend mit Reis, an manchen Tagen gibt es noch Fisch. Hier in dieser Region geht es ums Überleben und an manchen Tagen ist nicht genug Essen für alle da. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und trocknet den Boden komplett aus, bis er sich von alleine entzündet. Die Familie ist sehr zurückhaltend, dennoch sehr freundlich. Sie haben ihr Dorf/Farm noch nie verlassen, oder einen Besucher empfangen. Der Vater bedankt sich mehrfach für meinen Besuch und die Mutter freut sich über ein Tuch, was ich mitgebracht habe. Ich erzähle viel von meiner Familie und die Fotos werden sich interessiert angesehen. Der Vater beginnt mir ein paar Fragen zu stellen. Ich darf sogar ein Foto von der Familie mit mir zusammen machen. Nhors lächelt auch mal, was mich sehr freut. Ein Kontakt zu ihr, wie bei den Patenkindern in Siem Reap kommt nicht zustande. Aber man merkt, dass Sie sich über meinen Besuch freut. Auch die Schneekugel, die ich ihr aus Deutschland mitgebracht habe, findet sie klasse.

Nach ca. einer Stunde verabschieden wir uns. Ich fahre mit sehr gemischten Gefühlen weg. Mir war klar, dass ich auf Armut treffe. Aber so habe ich das persönlich noch nicht gesehen. Ich habe auch keine Hoffnung, dass Nhors jemals wieder zur Schule gehen wird. Die Planmitabeiterin und ich haben dem Vater versucht zu erklären, wie wichtig eine Ausbildung für Nhors auch als spätere Unterstützung der Familie ist. Aber sie ist nun schon 14 Jahre alt und somit ist die Chance sehr gering, dass sie noch zu einer Schulausbildung kommt. Außerdem versorgt sie den gesamten Haushalt und kocht für die Familie, während die Familie auf der Farm ums Überleben kämpft. In der Regenzeit ist ein Schulbesuch, bedingt durch die unpassierbaren Straßen teilweise nicht möglich. Hier sind einfach noch ganz andere Lebensbedingungen vorherrschend. Ich hoffe für Nhors, dass sie vielleicht später an einem Berufsausbildungstraining für Schulabbrecher, welches von Plan in Ratanakiri unterstützt wird, teilnehmen kann. Ich konnte mich davon überzeugen, dass Plan hier schon viel bewegt hat und mein Geld (Patenschaft) hier gut eingesetzt wird. Diese Region benötigt dringend unsere Unterstützung. In Ratanakiri gibt es zur Zeit über 9.000 Patenkinder, von denen viele noch keine Paten haben. Mit der Übernahme von neuen Patenschaften kann dieser Region geholfen werden.

2 thoughts

  1. Vielen Dank für den sehr beeindruckenden und ergreifenden Bericht. Ich hatte mich bei unserem gemeinsamen Besuch in Siem Reap sehr über das Engagement von Plan und deren Mitarbeiter mit ihrer so positiven Ausstrahlung gefreut.

    1. Hi Ulli, ja auch die Mitarbeiter von Plan in Ratanakiri waren sehr bemüht. Da meine Patenfamilie kein Khmer spricht, war sogar noch eine zusätzliche Dolmetscherin dabei.

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